15.06 Die Philosophen der Rundwelt

by SpielxPress Mahara

Die Wissenschaft der Scheibenwelt

Terry Pratchett hat mit der Scheibenwelt ein Universum erschaffen, das nicht nur gute Geschichten erzählen lässt, sondern auch viele erinnerungswürdige Charaktere hervorgebracht hat. Und wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, die Unsichtbare Universität zu besuchen und mit dem Dekan ein Zwiegespräch zu führen?

Wer das getan hat, sollte allerdings davor die Reihe "Die Wissenschaft der Scheibenwelt" lesen, einfach nur, um einen Einblick zu bekommen. Im ersten Teil der Reihe dürfen wir einem Experiment beiwohnen, das es in sich hat. Völlig unbeabsichtigt erschaffen die Zauberer nämlich ein kleines Universum - nun zumindest von außen klein. Innen ist es verdammt groß, gefüllt mit Eis und Feuer und Dampf und verdammt vielen Kugeln, die sich im Kreis bewegen. Äußerst verwirrend für die Zauberer, vor allem als sich Leben entwickelt und das ganz ohne Narrativum.
Mit dieser Bücherreihe - für die Terry Pratchett vermutlich nur Pate gestanden hat - haben wir praktisch immer zwei Bücher vor uns. Eines erzählt die Geschichte der Erkundung dieses neuen Universums durch die Zauberer und wie es ihnen dabei ergeht. Das andere nimmt die Erlebnisse der Zauberer zum Anlass, um über die Geschichte der Welt, die Entstehung des Lebens, die Evolution und alles andere, was mit unserem Planeten und den Menschen zu tun hat, zu erzählen. Wir werden mit verschiedenen wissenschaftlichen Theorien konfrontiert, die sich einer harten, aber vor allem humorvollen Kritik stellen müssen. Dabei sei gesagt, dass nichts wirklich Neues in diesem Bereich erzählt wird. Die Theorien gibt es teilweise schon verdammt lange und für diejenigen, die sich etwas mit den Naturwissenschaften und da vor allem der Anthropologie beschäftigen, werden wenige Neuigkeiten beschrieben. Die Autoren Ian Stewart und Jack Cohen schaffen es aber, diese angenehm zu verpacken und auf amüsante Weise wieder- und weiterzugeben.
Die Popularwissenschaft hat schon viele mehr oder weniger interessante und lesenswerte Bücher hervorgebracht, welche die Leserschaft auch mehr oder weniger bilden. Hier ist es allerdings gelungen, einen guten Überblick zu liefern ohne dabei zu predigen oder Gehirnwäsche zu betreiben. Die Schlussfolgerungen sind logisch und lassen dem Leser genug Platz für eigene Gedanken und Überlegungen. Ein gewisses Interesse für die Materie sollte man auf jeden Fall mitbringen, wenn man sich an die Lektüre macht, denn erstens werden einige Dinge vorausgesetzt und zweitens wird es verdammt langweilig und anstrengend, wenn man es nicht gewohnt ist, in anthropologischen Maßstäben zu denken. Von manchen Passagen könnte man sich vielleicht auch angegriffen fühlen, vor allem, wenn es um Religionen geht. Anthropologen gehen sehr nüchtern an diese Dinge heran und könnten daher so manchem auf die Zehen treten mit den Theorien, die da entstehen. Ian Stewart (Mathematiker an der University of Warwick) und Jack Cohen (Reproduktionsbiologe an der University of Warwick) haben es aber geschafft, ein ausgeglichenes Werk abzuliefern, das nie nur eine Seite positiv oder negativ beleuchtet.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Hier haben wir eine verdammt humorvolle und kurzweilige Variante, die zu lesen es sich lohnt - vielleicht vor allem für diejenigen, die sich bisher nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Allgemeinbildung war selten so spannend und amüsant wie auf der Scheibenwelt!
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